DIS

Bewegte Wasseroberfläche als Darstellung veränderter Wahrnehmung bei dissoziativer Identitätsstörung

Dissoziative Identitätsstörung (DIS) verstehen

Dissoziative Identitätsstörung (DIS) entsteht in der Regel vor dem Hintergrund schwerer, meist früher und wiederholter Belastungen. Dazu gehören häufig massive Gewalt, lang anhaltender sexueller Missbrauch, extreme Vernachlässigung oder ein Umfeld, in dem dauerhaft keine Sicherheit möglich war. Wenn ein Kind solchen Erfahrungen ausgesetzt ist und gleichzeitig keine verlässliche Bezugsperson vorhanden ist, die das Erlebte einordnen kann, kann sich das Erleben in stärker voneinander getrennte Zustände aufteilen. Diese Aufteilung ist kein bewusster Vorgang, sondern eine Möglichkeit des Nervensystems, mit überwältigenden Erfahrungen umzugehen.

Wie sich unterschiedliche Identitätszustände zeigen können

Bei der dissoziativen Identitätsstörung bestehen deutlich voneinander abgegrenzte Identitätszustände, die das Erleben und Verhalten beeinflussen können. Diese Zustände unterscheiden sich in Wahrnehmung, Gefühlen und in der Art, auf Situationen zu reagieren. Im Unterschied zu weniger ausgeprägten Formen kann es dabei zu Erinnerungslücken kommen. Bestimmte Situationen, Gespräche oder Zeitabschnitte sind nicht mehr zugänglich. Im Alltag kann sich das so zeigen, dass Zeitabschnitte fehlen, dass Handlungen nicht erinnert werden oder dass andere Menschen Verhaltensweisen beschreiben, die sich selbst nicht zuordnen lassen.

Wie sich das im Alltag anfühlen kann

Dissoziative Zustände treten häufig nicht nur in außergewöhnlichen Situationen auf, sondern auch im Alltag. Gespräche können abreißen, Gedanken verschwimmen oder es entsteht das Gefühl, nicht ganz anwesend zu sein. Manche erleben, dass sie an einem Ort ankommen und nicht genau wissen, wie sie dorthin gelangt sind. Andere bemerken Veränderungen im Verhalten oder in der Wahrnehmung, die sich im Moment nicht erklären lassen.
Diese Erfahrungen können sehr verunsichern, besonders wenn sie ohne erkennbaren äußeren Anlass auftreten.

Welche Rolle Trigger spielen können

Zustandswechsel werden häufig durch Trigger ausgelöst. Situationen im Hier und Jetzt können unbewusst an frühere Erfahrungen anknüpfen und dazu führen, dass sich das innere Erleben verändert. Das können zwischenmenschliche Spannungen, bestimmte Gefühle oder auch scheinbar neutrale Reize sein. Der Wechsel geschieht meist nicht willentlich und kann sich schwer steuerbar anfühlen. Von außen wirkt das Verhalten manchmal widersprüchlich, von innen folgt es einer Struktur, die sich aus der Lebensgeschichte entwickelt hat.

Diagnostik der dissoziativen Identitätsstörung für Erwachsene in Berlin oder online

Nicht alles, was im Inneren geschieht, lässt sich sofort einordnen oder offen ansprechen. In meiner Praxis erlebe ich, dass viele Betroffene ihre Erfahrungen lange für sich behalten oder selbst unsicher sind, wie sie das eigene Erleben verstehen sollen. Einzelne Symptome werden zunächst anderen Belastungen zugeordnet oder bleiben über längere Zeit unklar, auch weil damit oft Scham oder Zurückhaltung verbunden ist.
In der diagnostischen Abklärung geht es darum, diese Erfahrungen in einem geschützten Rahmen behutsam zu betrachten und verständlich einzuordnen. Dabei werden sowohl die aktuelle Symptomatik als auch die Lebensgeschichte und die Struktur des inneren Erlebens berücksichtigt. So lässt sich Schritt für Schritt klären, ob die geschilderten Phänomene zu einer dissoziativen Identitätsstörung passen oder ob andere Erklärungen die Erfahrungen besser beschreiben.

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