
pDIS – Was eine partielle dissoziative Identitätsstörung ist
Die partielle dissoziative Identitätsstörung entsteht nicht losgelöst von den Erfahrungen, die ein Mensch im Leben gemacht hat. Häufig stehen Belastungen im Hintergrund, die sich über längere Zeit wiederholt haben, etwa emotionale Vernachlässigung, Unsicherheit in Beziehungen oder Situationen, in denen Schutz und Verlässlichkeit gefehlt haben.
Wenn ein Kind über längere Zeit mit Erfahrungen konfrontiert ist, die emotional nicht eingeordnet oder bewältigt werden können, kann sich das Erleben innerlich aufteilen. Unterschiedliche Zustände entstehen, die verschiedene Gefühle, Bedürfnisse oder Sichtweisen tragen.
Diese Aufteilung ist kein willentlicher Prozess, sondern eine Form der Anpassung an Situationen, die über längere Zeit zu belastend waren, um sie als Ganzes zu verarbeiten.
Wie sich unterschiedliche innere Zustände zeigen können
Bei der partiellen dissoziativen Identitätsstörung zeigen sich unterschiedliche innere Zustände, die sich im Erleben und Verhalten bemerkbar machen können. Diese Zustände sind nicht vollständig voneinander getrennt, sondern bestehen eher nebeneinander.
Dabei bleibt in der Regel ein durchgängiges Bewusstsein bestehen. Viele erleben, dass sie wissen, was geschieht, sich innerlich jedoch unterschiedlich fühlen oder auf ähnliche Situationen verschieden reagieren. Es entsteht kein vollständiger Kontrollverlust, sondern eher ein Wechsel im inneren Erleben.
Im Alltag kann das bedeuten, dass sich Entscheidungen plötzlich anders anfühlen, dass man sich selbst in ähnlichen Situationen unterschiedlich erlebt, oder dass innere Widersprüche sehr deutlich spürbar werden.
Wie sich das im Alltag anfühlen kann
Solche inneren Zustände zeigen sich häufig in ganz gewöhnlichen Situationen. Ein Gespräch kann sich plötzlich anders anfühlen, obwohl sich im Außen nichts verändert hat. Entscheidungen wirken instabil oder widersprüchlich.
Manchmal entsteht der Eindruck, gleichzeitig verschiedene Impulse in sich zu tragen, ohne dass klar ist, welcher davon wirklich passt. Teilweise erleben Betroffene auch, dass sie sich selbst wie von außen beobachten oder Dinge tun, die sich in dem Moment nicht wirklich stimmig oder gewollt anfühlen. Diese inneren Bewegungen sind oft schwer einzuordnen und können verunsichern, obwohl sie einer nachvollziehbaren inneren Struktur folgen und etwa an bestimmte Trigger und eine bestimmte Funktion gebunden sind.
Welche Rolle Trigger spielen können
Bestimmte Situationen im Hier und Jetzt können solche Zustände verstärken. Häufig sind es zwischenmenschliche Spannungen, emotionale Überforderung oder Momente, die unbewusst an frühere Erfahrungen anknüpfen.
Ein Tonfall, eine Stimmung oder ein Gefühl von Unsicherheit kann ausreichen, damit sich das innere Erleben verschiebt. Von außen bleibt das oft unbemerkt, während es sich innerlich sehr deutlich anfühlen kann.
Diagnostik der partiellen dissoziativen Identitätsstörung für Erwachsene in Berlin oder online
Manche Veränderungen lassen sich nicht gut in Worte fassen, wirken aber im Erleben sehr deutlich. In meiner Praxis berichten Menschen von wechselnden inneren Zuständen, widersprüchlichen Impulsen oder dem Gefühl, sich selbst nicht durchgehend gleich zu erleben. Solche Erfahrungen werden zunächst oft anders eingeordnet und nicht immer mit dissoziativen Prozessen in Verbindung gebracht.
In der diagnostischen Abklärung geht es darum, diese inneren Abläufe gemeinsam genauer zu betrachten und verständlich einzuordnen. Schritt für Schritt entsteht ein Bild davon, wie sich unterschiedliche Zustände zeigen, in welchen Situationen sie auftreten und wie sie mit der eigenen Lebensgeschichte zusammenhängen. So lässt sich klären, ob es sich um einzelne dissoziative Phänomene handelt oder ob eine partielle dissoziative Identitätsstruktur vorliegt.
