
Was dissoziative Störungen sind
Der Begriff Dissoziation wirkt zunächst fremd. Das zugrunde liegende Erleben ist vielen Menschen jedoch in leichter Form vertraut. Man fährt eine Strecke mit dem Auto und stellt am Ziel fest, dass ein Teil der Fahrt fast automatisch abgelaufen ist. Gedanken können so intensiv werden, dass die Umgebung für einen Moment in den Hintergrund tritt.
Solche leichten Formen gehören zum normalen menschlichen Erleben. In Zusammenhang mit starken Belastungen oder traumatischen Erfahrungen können diese Zustände jedoch deutlich intensiver auftreten.
Wie Dissoziation entsteht
Dissoziation beschreibt eine vorübergehende Trennung verschiedener Bereiche des Erlebens. Wahrnehmung, Gefühle, Erinnerungen, Körperempfinden oder das Gefühl für die eigene Person können sich dabei teilweise voneinander lösen.
Dieser Vorgang geschieht nicht bewusst oder willentlich. Er entsteht als Reaktion des Nervensystems auf eine Situation, die als zu überwältigend erlebt wird. Das Gehirn versucht in solchen Momenten, einen Teil des Erlebens auf Abstand zu bringen, damit die Belastung überhaupt ausgehalten werden kann.
Symptome von Dissoziation im Alltag
Dissoziation kann sich auf unterschiedliche Weise zeigen. Die Umgebung wirkt plötzlich fremd oder unwirklich. Das eigene Erleben verändert sich, als würde das Geschehen aus einer gewissen Distanz beobachtet. Erinnerungen bleiben lückenhaft oder Teile eines Gesprächs sind später nicht mehr präsent.
Auch körperliche Veränderungen können auftreten. Der Körper fühlt sich taub oder schwer an, Gedanken wirken weit entfernt oder Handlungen laufen wie automatisch ab, ohne dass ein klares Gefühl von Steuerung vorhanden ist.
Warum dissoziative Zustände häufig missverstanden werden
Von außen sind dissoziative Zustände häufig kaum zu erkennen. Betroffene wirken still, abwesend oder ungewöhnlich kontrolliert. Dadurch bleiben solche Zustände leicht unbemerkt.
Ohne Erklärung kann dieses Erleben sehr verunsichernd sein. Veränderungen der Wahrnehmung oder Erinnerung werden dann oft mit Vergesslichkeit, Überforderung oder mangelnder Konzentration erklärt, obwohl tatsächlich ein Schutzmechanismus des Nervensystems aktiv geworden ist.
Wann von einer dissoziativen Störung gesprochen wird
Dissoziation kann auch als einzelne Reaktion auf Stress auftreten, ohne dass eine eigenständige Störung vorliegt. Von einer dissoziativen Störung spricht man dann, wenn solche Zustände regelmäßig auftreten, eine deutliche Intensität erreichen und den Alltag spürbar beeinflussen.
Dazu können wiederkehrende Erinnerungslücken, anhaltende Entfremdungsgefühle oder ausgeprägte Veränderungen des inneren Erlebens gehören. Häufig berichten Betroffene in solchen Momenten zusätzlich, dass sie Angst haben, „verrückt zu werden“ oder die Kontrolle über sich zu verlieren, was die Verunsicherung und den Leidensdruck weiter verstärken kann.
Diagnostik dissoziativer Störungen in Berlin oder online
In meiner Praxis erlebe ich immer wieder, dass dissoziative Symptome zunächst schwer einzuordnen sind. Viele Menschen beschreiben Phasen von innerer Distanz, veränderter Wahrnehmung oder das Gefühl, nicht ganz da zu sein, ohne genau benennen zu können, was dahintersteht. Solche Erfahrungen treten häufig im Zusammenhang mit Traumafolgestörungen auf, können aber auch in anderen Belastungssituationen entstehen und werden nicht selten mit Konzentrationsproblemen, Erschöpfung oder Tagträumen verwechselt.
In der diagnostischen Abklärung geht es darum, diese Erlebnisse gemeinsam genauer anzuschauen und verständlich einzuordnen. Schritt für Schritt entsteht so ein klareres Bild davon, ob einzelne dissoziative Phänomene vorliegen oder ob sich dahinter eine ausgeprägtere dissoziative Symptomatik verbirgt.
